Wer die Schweizer Abstimmung zur «Ehe für alle» verfolgt hat, erinnert sich an das überraschend klare Ergebnis: Ende September 2021 sagten 64,1 Prozent Ja – und das, obwohl die Diskussion im Parlament acht Jahre gedauert hatte. Was sich seit dem 1. Juli 2022 für gleichgeschlechtliche Paare in der Schweiz konkret verändert hat, fasst dieser Beitrag zusammen.

Einführungsdatum: 1. Juli 2022 · Abstimmungsergebnis: 64,1 % Ja · Neue Partnerschaften: Ab 1. Juli 2022 nicht mehr möglich · Mindestalter Ehe: 18 Jahre · Betroffene Paare romandisch: 280 Anträge

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
  • Legal seit 1. Juli 2022 (Bundesrat)
  • 64,1 % Ja-Stimmen bei Abstimmung (Wikipedia)
  • Keine neuen Partnerschaften mehr möglich (SRF)
2Was unklar ist
  • Aktuelle Anzahl Hochzeiten 2024 (BFS)
  • Detaillierte Zahlen pro Kanton (BFS)
  • Wirtschaftliche Langzeitauswirkungen (SECO)
3Zeitleisten-Signal
  • 26. September 2021: Volksabstimmung
  • 17. November 2021: Bundesratsbeschluss
  • 1. Juli 2022: Inkrafttreten
  • 1. Januar 2025: Liechtenstein folgt
4Wie es weitergeht
  • Nachfolgende Länder in Europa
  • Aktuelle Statistiken für 2023/2024
  • Weitere Adoptionrechte-Entwicklung

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Eckdaten zum Gesetz zusammen.

Kategorie Detail
Gesetzesname Mariage pour tous
Inkrafttreten 1. Juli 2022
Abstimmung 26. September 2021, 64,1 %
Quelle Bundesamt bj.admin.ch
Erste Anträge 280 in Romandie

Was ist das Gesetz zur Ehe für alle in der Schweiz?

Das Gesetz «Ehe für alle» öffnet die Zivilehe in der Schweiz für gleichgeschlechtliche Paare. Nach einer achtjährigen Parlamentsdebatte wurde die Vorlage am 18. Dezember 2020 von National- und Ständerat angenommen – im Nationalrat mit 136 zu 48 Stimmen, im Ständerat mit 24 zu 11 Stimmen. Die Abstimmung am 26. September 2021 ergab dann das klare Resultat von 64,1 Prozent Ja-Stimmen.

Bedingungen für die Ehe

Für die Ehe gelten dieselben Voraussetzungen wie für heterosexuelle Paare: Beide Partner müssen mindestens 18 Jahre alt sein, geschäftsfähig und darf keine Verwandtschaft bestehen. Anders als bei der eingetragenen Partnerschaft gibt es kein Mindestalter für einen der Partner.

Auswirkungen auf Partnerschaften

Seit dem 1. Juli 2022 können keine neuen eingetragenen Partnerschaften mehr begründet werden. Bestehende Partnerschaften lassen sich jedoch durch eine gemeinsame Erklärung in eine Ehe umwandeln. Die Namensführung bleibt dabei unverändert. Ausländische Partnerschaften, die nach dem 1. Juli 2022 begründet wurden, sind nicht mehr umwandelbar.

Fazit: Die Schweiz hat damit einen der fortschrittlichsten Gesetzesrahmen für gleichgeschlechtliche Paare in Europa geschaffen – mit vollem Adoptionsrecht und Zugang zur Samenspende.

Welches Land erlaubt die Ehe für alle?

Die Schweiz war 2022 das 17. Land weltweit, das die gleichgeschlechtliche Ehe einführte. Damit folgte sie den Niederlanden, die als erstes Land bereits 2001 diesen Schritt vollzogen – genau 20 Jahre vor der Schweiz.

Europa-Karte

In Europa haben mittlerweile über 20 Länder die Ehe für alle legalisiert. Die führenden Nationen waren die Niederlande (2001), Belgien (2003), Spanien (2005) und Norwegen (2009). Die Schweiz reiht sich damit in die wachsende Mehrheit der westeuropäischen Länder ein.

Liste Afrika und Asien

Weltweit haben bisher etwa 35 Länder die Ehe für alle eingeführt. In Afrika und Asien bleibt die Legalisierung weitgehend aus – mit Ausnahme von Südafrika (2006) und Taiwan (2019). In Liechtenstein tritt die «Ehe für alle» am 1. Januar 2025 in Kraft.

Was das bedeutet

Die Schweiz positioniert sich damit als eines der liberalsten Länder im alemannischen Sprachraum – direkt zwischen dem bereits seit 2001 liberalen Frankreich und dem ab 2025 folgenden Liechtenstein.

Ist die Schweiz LGBT-freundlich?

Das Abstimmungsergebnis von 64,1 Prozent Ja-Stimmen – und das einstimmige Ja aller Kantone – zeigt eine klare gesellschaftliche Akzeptanz. Die Schweiz zählt damit zu den LGBT-freundlichsten Ländern Europas.

Rechte LGBTQ in der Schweiz

Neben der Eheöffnung erhielten gleichgeschlechtliche Paare Zugang zur gemeinsamen Adoption und zur gesetzlich geregelten Samenspende. Auch die Einbürgerung für ausländische Ehepartner von Schweizer Staatsbürgern wurde erleichtert. Ausländische gleichgeschlechtliche Ehen werden seit Juli 2022 automatisch als Ehen anerkannt.

Vergleich international

Im europäischen Vergleich liegt die Schweiz im oberen Drittel – vergleichbar mit Deutschland (2017), Österreich (2019) und Schweden (2009). Deutlich liberalere Rahmenbedingungen als in Osteuropa oder außereuropäischen Regionen.

Anmerkung der Redaktion

Die Schweiz hat damit nicht nur die rechtliche, sondern auch die gesellschaftliche Akzeptanz für gleichgeschlechtliche Paare deutlich vorangetrieben – ein Ergebnis, das selbst viele Beobachter überraschte.

Wann wurde die Ehe für alle in der Schweiz eingeführt?

Der Weg zur «Ehe für alle» erstreckte sich über fast ein Jahrzehnt: von der Initiative von GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy Ende 2013 bis zum tatsächlichen Inkrafttreten am 1. Juli 2022.

Abstimmungsdatum

Die eidgenössische Volksabstimmung fand am 26. September 2021 statt. Nachdem Gegner innerhalb von 100 Tagen über 50.000 Unterschriften für das Referendum gesammelt hatten, kam es zur Volksabstimmung. Das klare Ergebnis von 64,1 Prozent Ja-Stimmen und das einstimmige Ja aller Kantone überraschte selbst Befürworter.

Inkrafttreten

Der Bundesrat beschloss am 17. November 2021, dass die «Ehe für alle» am 1. Juli 2022 in Kraft tritt. Eine Bestimmung zum Güterstand ausländischer gleichgeschlechtlicher Ehen trat bereits am 1. Januar 2022 in Kraft. Zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember 2022 heirateten 749 gleichgeschlechtliche Paare.

Fazit: Die Einführung verlief reibungslos – innerhalb von nur sechs Monaten nach Inkrafttreten wurden 749 Ehen geschlossen und 2234 Partnerschaften in Ehen umgewandelt.

Was ist die Heiratsprämie in der Schweiz?

Unter «Heiratsprämie» versteht man in der Schweiz steuerliche Vorteile, die sich aus dem Zusammenschluss zweier Steuerhaushalte ergeben. Diese Vorteile gelten seit Juli 2022 auch für gleichgeschlechtliche Ehen.

Vorteile der Ehe

Zu den Vorteilen gehören steuerliche Entlastungen bei gemeinsamer Veranlagung, erleichterte Einbürgerung für ausländische Partner, gemeinsame Adoption und Zugang zur Samenspende für weibliche Paare. Auch bei Vorsorge und Erbrecht ergeben sich Änderungen.

Nachteile

Die Kehrseite umfasst mögliche Steuerbelastungen bei unterschiedlich hohem Einkommen zweier Partner. Auch die Wahl des Güterstands – Errungenschaftsbeteiligung, Gütergemeinschaft oder Gütertrennung – sollte sorgfältig geprüft werden.

Der internationale Vergleich zeigt, dass die Schweiz zu den liberalsten Ländern Europas gehört, was die Rechte gleichgeschlechtlicher Paare betrifft.

Land Ehe für alle seit Besonderheiten
Niederlande 2001 Erstes Land weltweit
Belgien 2003 Volle Adoption seit 2006
Spanien 2005 Unterstützung durch breite Koalition
Norwegen 2009 Österreich-ähnliches Modell
Frankreich 2013 Zweifel an Öffnung 2013
Deutschland 2017 Adoption seit 2005
Österreich 2019 Stufenweise Einführung
Schweiz 2022 Volle Adoption, Samenspende
Liechtenstein 2025 Nächstes Nachbarland
Die Herausforderung

Für Paare, die zwischen eingetragener Partnerschaft und Ehe wechseln möchten, gilt: Die Fristen sind knapp – ausländische Partnerschaften sind seit Juli 2022 nicht mehr umwandelbar.

Zeitleiste: Der Weg zur Ehe für alle

Initiative von Kathrin Bertschy (GLP) (Blick)

Parlamentsannahme mit 136:48 (NR) und 24:11 (SR)

Volksabstimmung: 64,1 % Ja, alle Kantone dafür

Bundesratsbeschluss: Inkrafttreten 1. Juli 2022

Güterstand-Anerkennung für ausländische Ehen

Ehe für alle in Kraft, erste Hochzeiten

Liechtenstein führt Ehe für alle ein

Bestätigt und unbestätigt

Bestätigte Fakten

  • Einführung 1. Juli 2022 (Bundesrat)
  • Abstimmung 64,1 % (SRF)
  • 749 Ehen zwischen Juli und Dezember 2022 (BFS)
  • 2234 Umwandlungen (BFS)
  • Volle Adoption seit 2022 (BJ Admin)
  • Keine neuen Partnerschaften (SRF)

Was unklar bleibt

  • Aktuelle Anzahl Hochzeiten 2024
  • Detaillierte Kantonszahlen
  • Wirtschaftliche Langzeitauswirkungen
  • Adoptionsstatistiken nach 2022

Stimmen zum Gesetz

«Gleichgeschlechtliche Paare können ab dem 1. Juli 2022 heiraten oder ihre eingetragene Partnerschaft in eine Ehe umwandeln.»

Bundesrat (Schweizerische Bundesregierung)

«Die ‹Ehe für alle› war am 26. September mit 64.1 Prozent Ja-Stimmen und von allen Kantonen angenommen worden.»

— SRF (Öffentlich-rechtlicher Schweizer Rundfunk)

«Zwanzig Jahre nach den Niederlanden hatte die Schweizer Stimmbevölkerung die zivile Ehe für gleichgeschlechtliche Paare beschlossen.»

Blick (Schweizer Boulevardmedium)

Die «Ehe für alle» hat die Schweiz in einen kleinen Kreis europäischer Vorreiter gestoßen. Mit dem Ergebnis von 64,1 Prozent und dem einstimmigen Ja aller Kantone zeigt sich: Die gesellschaftliche Akzeptanz war der politischen Debatte vorausgeeilt. Für gleichgeschlechtliche Paare in der Schweiz sind damit seit Juli 2022 sämtliche bürgerlichen Rechte der Ehe gesichert – von der gemeinsamen Adoption bis zur automatischen Anerkennung ausländischer Ehen.

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Häufig gestellte Fragen

Welche Bedingungen gelten für die Ehe in der Schweiz?

Beide Partner müssen mindestens 18 Jahre alt und geschäftsfähig sein. Eine Verwandtschaft zwischen den Partnern ist nicht erlaubt. Es gelten dieselben Bedingungen wie für heterosexuelle Paare.

Welche Länder verbieten die Ehe für alle?

In weiten Teilen Osteuropas, des Nahen Ostens, Afrikas und Asiens bleibt die gleichgeschlechtliche Ehe verboten oder strafbar. Lediglich Südafrika (2006) und Taiwan (2019) sind Ausnahmen außerhalb Europas.

Was ändert sich für bestehende Partnerschaften?

Bestehende eingetragene Partnerschaften können durch eine gemeinsame Erklärung in eine Ehe umgewandelt werden. Die Namensführung bleibt dabei unverändert. Neue Partnerschaften sind seit Juli 2022 nicht mehr möglich.

Wie viele Paare haben geheiratet seit 2022?

Zwischen Juli und Dezember 2022 heirateten 749 gleichgeschlechtliche Paare. Zusätzlich wandelten 2234 Paare ihre Partnerschaft in eine Ehe um. Aktuelle Zahlen für 2023 und 2024 liegen noch nicht flächendeckend vor.

Vergleich Ehe für alle Schweiz und Frankreich?

Frankreich führte die Ehe für alle 2013 ein – neun Jahre vor der Schweiz. Beide Länder gewähren volle Adoptionsrechte. Die Schweiz ging beim Zugang zur Samenspende sogar einen Schritt weiter.

Ist Polygamie in der Schweiz erlaubt?

Nein. Die Schweiz kennt ausschließlich die Monogamie. Auch nach Einführung der «Ehe für alle» bleibt die Bigamie strafbar. Es gibt keine Ausnahmen für gleich- oder verschiedengeschlechtliche Ehen.

Welche Rechte haben LGBTQ in der Schweiz?

Mit der «Ehe für alle» erhielten LGBTQ-Paare volle Eherechte: gemeinsame Adoption, Zugang zur Samenspende, automatisierte Anerkennung ausländischer Ehen und erleichterte Einbürgerung. Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung ist seit 2022 umfassend verboten.